GESCHICHTE DER IBA HEIDELBERG | WIE FING ES AN?

Heidelberg suchte nach mehr als dem klassischen Stadtentwicklungsplan

Wie kann sich eine Stadt in der Wissensgesellschaft entwickeln? Noch dazu, wenn sie die älteste Universität Deutschlands beheimatet und geprägt ist von jungen Menschen und Akademikern aus aller Welt? Und wie passen Exzellenzcluster mit der historischen Kulisse zusammen, die jährlich Millionen von Touristen nach Heidelberg lockt? Solche grundsätzlichen Fragen waren es, die sich die Stadt Heidelberg vor einigen Jahren gestellt hat. Die Verantwortlichen waren sich von vornherein einig darüber, dass ein klassischer Stadtentwicklungsplan den künftigen Herausforderungen für Heidelberg nicht gerecht wird. Ein Labor, Zeit und Raum für Experimente, das schwebte den Fachleuten in Politik und Verwaltung vor – und sie ließen prüfen, ob sich das Format einer Internationalen Bauausstellung (IBA) für einen derartigen Ausnahmezustand eignet.

Passt eine IBA zu Heidelberg?

Dazu berief die Stadt 2008 einen wissenschaftlichen Beirat. Er sollte prüfen, ob sich das Format einer IBA grundsätzlich für die komplexen Fragestellungen in Zusammenhang mit der „Laborsituation“ Heidelberg eignet. Aufgaben des Beirats waren zudem, das Themenfeld zu präzisieren, Ziele einer IBA zu formulieren und Vorschläge für die Organisation einer entsprechenden Gesellschaft zu machen. Für einzelne Themenschwerpunkte wurde das Gremium erweitert. Die Arbeit des Beirats mündete gemeinsam mit weiteren Studien in das Memorandum „Internationale Bauausstellung Heidelberg – Perspektiven der Europäischen Stadt in der Wissensgesellschaft“ – einem Plädoyer für eine Heidelberger IBA.

Vier Fachforen brachten Experten zusammen

Weitere Bausteine für ein Fundament der IBA waren ein Arbeitskreis und Fachforen. In ersterem trafen sich lokale Experten und Vertreter verschiedener Wissenschaftskulturen. Mit den Fachforen wiederum nahm die Stadt Impulse aus der Bevölkerung auf. Die Ergebnisse und Thesen zur urbanen Wissensgesellschaft flossen genauso in die Strategie ein wie der Austausch mit anderen IBAs. Im Rahmen der Vorbereitungen verabschiedeten Stadt und Universität zudem eine gemeinsame Charta mit dem Leitbild „Wissen schafft Stadt“. Themen der von Engelbert Lütke Daldrup moderierten öffentlichen Foren waren „Stadtentwicklung in der Wissensgesellschaft“, „Stadtraum und Stadtidentität“, „Planungsprozess, Baukultur und Öffentlichkeit“, „Eine Internationale Bauausstellung für Heidelberg“. Die Themen wurden jeweils in einem Gesprächskreis und im Dialog mit dem Publikum diskutiert. Heidelberg suchte zudem von Beginn an den Kontakt zu anderen IBAs und brachte sich in den bundesweiten Diskurs ein: 2010 stellte die Stadt ihre Vorstellungen beim IBA-Labor in Großräschen vor (IBA See) sowie 2011 in Berlin. 2012 schließlich lud sie selbst ein – zum Auftakt der eigenen IBA.

Gemeinderat beschließt: IBA Heidelberg startet 2012

Der Gemeinderat ließ sich von den Ergebnissen und Erkenntnissen dieser mehrjährigen Vorbereitung überzeugen und brachte die IBA mit mehreren nahezu einstimmigen Beschlüssen seit 2011 auf den Weg. Ende 2012 waren sich die Gemeinderäte schließlich auch über die personelle Besetzung einig und beriefen Michael Braum zum IBA-Geschäftsführer. Im März 2013 nahm das IBA-Büro seine Arbeit in der ehemaligen Feuerwache auf, dem neu geschaffenen Kreativwirtschaftszentrum der Stadt Heidelberg.