NETZWERK | IBA meets IBA

Im Zeitraum eines Jahrhunderts haben sich Internationale Bauausstellungen zu einem zukunftsfähigen Experimentierfeld des Städtebaus und damit auch zu einem besonderen “Markenzeichen” der Planungs- und Baukultur in Deutschland entwickelt. Um von diesem Standard die Übertragbarkeit der Erfahrungen und ihre weitere Entfaltung bei künftigen Internationalen Bauausstellungen zu gewährleisten und um zugleich in der Alltagspraxis Maßstäbe zu setzen, wurde der Aufbau des Netzwerkes “IBA meets IBA” von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert.

Mit dem Ziel einer stärkeren Vernetzung aller Internationalen Bauausstellungen bereits 2007 ein erster Erfahrungsaustausch von über 30 Experten vergangener, aktueller und zukünftiger Internationaler Bauausstellungen im Labor IBA meets IBA statt. Weitere Labore in Großräschen, Berlin, Basel, Thüringen und Heidelberg folgten.

Einen historischen Überblick zu den IBAs finden Sie hier:

LAUFENDE IBAS

2027 | IBA STUTTGART | STADTREGION STUTTGART

Genau 100 Jahre nach dem Bau der Weißenhofsiedlung geht die Internationale Bauausstellung in Stuttgart in die zweite Runde: Anspruch der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart ist es, der Welt Lösungsansätze für die städtebaulichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen und sichtbare Zeichen für das Bauen, Leben und Arbeiten im Zeitalter von Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel zu setzen.
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2023 | IBA THÜRINGEN | ZUKUNFT STADT LAND

Die nächste IBA in Ostdeutschland will sich wieder einem landschaftlichen Thema widmen: den planerischen und gestalterischen Herausforderungen der Energiewende in Thüringen. In diesem Zusammenhang soll es vor dem Hintergrund von Alterung und Abwanderung vor allem um die Stärkung regionaler Kreisläufe gehen. Geschäftsführerin der 2013 an den Start gegangenen IBA Thüringen ist seit dem 01. Mai 2014 Dr. Marta Doehler-Behzadi.
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2022 | IBA_WIEN | NEUES SOZIALES WOHNEN

Neue soziale Quartiere, neue soziale Qualitäten, neue soziale Verantwortung – die erste IBA in Wien stellt sich mit ihren drei Leitthemen den Herausforderungen, die das anhaltende Städtewachstum und der demographische Wandel mit sich bringen. Wien als führende Stadt auf dem Gebiet des sozialen Wohnbaus sucht daher neue Lösungsansätze, die auch in Zukunft leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum in einer lebenswerten Stadt ermöglichen. Koordinator der IBA_Wien ist Wolfgang Förster.
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2020 | IBA PARKSTAD LIMBURG | ENERGIE STADT, FLEXIBLE STADT, RECYLCLE STADT

Mit der Region Limburg nimmt erstmals eine Internationale Bauausstellung in den Niederlanden ihre Arbeit auf. Bis 2020 widmet sich diese IBA der weitergehenden Transformation einer ehemaligen Bergbau-Gegend: Wo ein Industriezweig niedergegangen und zugleich die Bevölkerung geschrumpft ist, sollen neue Wirtschaftsfelder erschlossen, der Stadtumbau vorangetrieben und die Energiewende forciert werden. Durch das frühzeitige Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort will die IBA auch einen Werte- und Bewusstseinswandel in der Bevölkerung erreichen. Kurator/Direktor der IBA Parkstadt ist Jo Coenen.
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2020 | IBA BASEL | GEMEINSAM ÜBER GRENZEN WACHSEN

Bei der IBA Basel geht es bis 2020 um räumliche Vernetzungen im Dreiländereck. Im Sommer 2013 tourte die IBA erstmals durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Dabei stellte die IBA sich selbst und erste Kandidaten für Projekte vor. Geschäftsführerin ist Monica Linder-Guarnaccia.
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VERGANGENE IBAS

2013 | IBA HAMBURG | STADT NEU BAUEN

Am Beispiel des Stadtteils Wilhelmsburg befasste sich Hamburg von 2006 bis 2013 mit der Entwicklung von Metropolen im 21. Jahrhundert. Leitfrage der IBA unter Leitung von Uli Hellweg war, wie Großstädte den Herausforderungen der Globalisierung und ihrer baukulturellen Dimension begegnen. Dem widmete sich die IBA in drei thematischen Schwerpunkten: Der Suche nach dem Potenzial einer internationalen Stadtgesellschaft (Kosmopolis), städtebaulichen und architektonischen Konzepten zum Umgang mit inneren Stadträndern (Metrozonen) sowie den baukulturellen Dimensionen des Klimawandels. Mit der Entscheidung für Wilhelmsburg als Wirkungsfeld rückte die IBA zudem einen bis dahin sozial benachteiligten Stadtteil und seine Potenziale in den Fokus des Diskurses.
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2010 | IBA STADTUMBAU SACHSEN-ANHALT | STADTUMBAU ALS BÜRGERPROJEKT

Die IBA Stadtumbau in Sachsen-Anhalt suchte Antworten auf den Bevölkerungsrückgang und damit schrumpfende Orte. Unter Leitung von Omar Akbar und Philipp Oswalt erprobten Planer und Architekten in 19 Städten beispielhaft neue Werkzeuge des Stadtumbaus. Es waren vor allem Klein- und Mittelstädte wie Eisleben und Dessau, die auf diesem Weg Weichen in der Stadtentwicklung neu stellen wollten. Erstmals erstreckte sich eine IBA damit auf Initiative der Bundesregierung über ein ganzes Bundesland.
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2010 | IBA FÜRST-PÜCKLER-LAND | WERKSTATT FÜR NEUE LANDSCHAFTEN

Die erste IBA in den neuen Bundesländern widmete sich der Neuinterpretation einer ländlichen Region. Ziel der IBA SEE war, die ehemaligen Tagebaulandschaften touristisch aufzuwerten und der brachgefallenen Landschaft eine neue Identität zu geben. Industriedenkmäler wurden als solche aufgewertet und präsentiert, in den Ortschaften wurden auch mit dieser Neuausrichtung Impulse für die Stadterneuerung gesetzt. Dabei orientierte sich das Team um Leiter Rolf Kuhn an den Erfahrungen der IBA Emscherpark, die sich ebenfalls auf einen zuvor industriell genutzten Landschaftsraum fokussiert hatte. Die IBA SEE endete 2010.
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1999 | IBA EMSCHER PARK | ZUKUNFT FÜR EINE INDUSTRIEREGION

Die IBA Emscher Park unter Leitung von Karl Ganser zeichnete sich durch einen regionalen Ansatz aus, der weit über die Themen Wohnen und Stadtleben hinausging: In einer Altindustrie-Region des Ruhrgebiets wurden auf mehr als 1.000 Quadratkilometern landschaftsplanerische und städtebauliche Impulse für den ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbau gegeben. Initiator war das Land Nordrhein-Westfalen, das mit der IBA Lösungen für eine Gegend im Strukturwandel suchte.
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1987 | IBA BERLIN | DIE REPARATUR UND REKONSTRUKTION DER STADT

30 Jahre nach der Interbau war Berlin war erneut Austragungsort einer IBA – der ersten, offiziell so genannten Internationalen Bauausstellung. 1987 thematisierte die IBA Neubau unter der Leitung von Josef Paul Kleihues die kritische Rekonstruktion der historischen Stadt. Die IBA Altbau, geleitet von Hardt-Waltherr Hämer, hatte sich eine behutsame Stadterneuerung vorgenommen. Es war eine Reaktion auf die seit den späten 1960er-Jahren greifende so genannte Funktionsschwäche-sanierung, die letztlich großflächigen Abriss bedeutete.
Mit dem Fokus auf einer „Reparatur der Stadt“ kontrastierte die IBA 1984/1987 bewusst den Nachkriegsstädtebau und damit auch das Thema der Interbau von 1957. Bei der IBA ging es um die Renaissance der Innenstadt als Wohnort. Während sich die IBA Neubau durch überwiegend der Postmoderne verpflichtete Bauten des Sozialen Wohnungsbaus auszeichnete, widmete sich die IBA Altbau verstärkt gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Antworten darauf mündeten in Modelle zur behutsamen Stadterneuerung – inspiriert und vorangetrieben auch von Impulsen der Hausbesetzerszene in Kreuzberg.

1952 | STALINALLEE & INTERBAU | WETTSTREIT DER SYSTEME

Auf Initiative des Berliner Senats und unter Leitung von Otto Bartning sollte in der Interbau in Berlin 1957 das Leitbild einer Stadtlandschaft Gestalt annehmen.
Die „Stadt von Morgen“ verstand sich als Gegenmodell zur gründerzeitlich geprägten durchmischten Stadt des 19. Jahrhunderts. Auf Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs wurden 53 international bekannte Architekten ausgewählt, um Einzelobjekte in einer parkähnlichen Landschaft am Tiergarten zu verwirklichen. Zu den Architekten zählten Alvar Aalto, van der Brook, Bakema und Pierre Vago; sie verwirklichten Gebäude vom Punkthochhaus über Wohnzeilen bis hin zu einem Stadtteilzentrum. Diese experimentelle Mischung galt zugleich als Antwort des Westens auf die städtebaulichen Leitbilder Osteuropas, die im Ostteil der Stadt in der Stalinallee Ausdruck fanden.

1927 | WEISSENHOFSIEDLUNG STUTTGART | ZEUGNIS NEUEN BAUENS

Für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart gewann der Deutsche Werkbund Ludwig Mies van der Rohe als künstlerischen Leiter. Sie gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des „Neuen Bauens“ und als Manifest einer “klassischen Moderne”. Die 21 Musterhäuser der Bauausstellung entwarfen Architekten wie Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun, die Brüder Taut und Jacobus Johannes Pieter Oud.
Im Präsentationsjahr besuchten 50.000 Menschen das Ensemble und befeuerten die gesellschaftliche Diskussion um Wohnen und Leben im Industriezeitalter. Offene Grundrisse versus traditionelle, Flachdach versus Satteldach, der Geist der Moderne versus dem des Bewahrenden – die Weißenhofsiedlung polarisierte.

1901 | MATHILDENHÖHE DARMSTADT | EIN DOKUMENT DEUTSCHER KUNST

Die 1901 von Josef Maria Olbrich geleitete Bauausstellung in Darmstadt war die erste in Deutschland. Dort entwarfen Architekten gemeinsam mit Künstlern die Kolonie Mathildenhöhe, die sich im Zusammenwirken von Kunst und Handwerk von der Massenfertigung des Industriezeitalters abgrenzte. Die gilt bis heute als eine der beeindruckendsten Siedlungen des Jugendstils. Das Besondere war das Zusammenwirken von gebauter Umwelt und gesellschaftlichem Leben, der ganzheitliche Entwurf – vom Städtebau bis hin zu Gegenständen des alltäglichen Bedarfs.