Unternehmerisches Engagement in der Stadt

12.07.2016 | Auftakt der neuen IBA-Reihe beleuchtete gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung und das Instrument Erbbaurecht

Internationale Bauausstellungen sind heute mehr denn je auf gute Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Bauherren und gemeinschaftliche Lösungen angewiesen – so auch in Heidelberg. Doch wie können lokale Akteure die Voraussetzungen dafür schaffen, gemeinsam herausragende Projekte für innovative Lernräume zu entwickeln? Welche zeitgemäßen Instrumente gibt es für privatwirtschaftliche Stadtentwicklung? Und wie lassen sich diese in Zukunft stärker im Bereich der Corporate Social Responsibility von Unternehmen einbinden?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des ersten IBA_LOCAL, das am 12. Juli 2016 bei der Unternehmensgruppe EPPLE in Heidelberg stattfand. Zu der Veranstaltung mit Impulsvortrag, Bericht der IBA, Podiumsdiskussion und abschließendem Empfang kamen rund 60 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft.

„Die praktischen Beispiele zeigen, dass ein anderer, dem Gemeinnutz verpflichteter Umgang mit Grund und Boden möglich ist. Dazu bedarf es keiner wirklich neuen Instrumente, sondern nur dem Mut, neue politische Wege zu gehen. Das Werkzeug dafür liegt vor uns.“ so Rolf Novy-Huy, Geschäftsführer der Stiftung trias. Sein Impulsvortrag „Das Erbbaurecht als modernes Instrument der Stadt- und Bodenpolitik“ gab Einblicke, wie es durch eine zielgerichtete Vermögensanlage, Zuwendungen und Bildungsarbeit gelingen kann, den Boden langfristig der Spekulation zu entziehen und diesen einer gemeinschaftlichen und ökologischen Nutzung zuzuführen.

Dass Wissen, das relevant für die Stadtentwicklung ist, nur in Koproduktion mit den verschiedenen Akteuren einer Stadt entstehen kann, stellte Prof. Michael Braum, geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, in seinem Vortrag „Die koproduzierte Stadt“ heraus. „Koproduktion ist mehr als Partizipation: Koproduktion heißt die Zukunft der Stadt von Beginn an mit allen Akteuren zu verhandeln, auf Augenhöhe und gleichsam mit Akzeptanz der Kernkompetenzen des Anderen.“ Die gezeigten Beispiele, wie die koproduzierte Entwicklungsvision für das Patrick Henry Village, verdeutlichten, dass eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung sich dadurch auszeichnet, dass alle Akteursgruppen, gleich ob Bürgerschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik nur dann gelingen kann, wenn sie von Beginn an gemeinschaftlich entwickelt wird.

Im von Carl Zillich, Kuratorischer Leiter der IBA Heidelberg, moderierten Podiumsgespräch diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, und Stadtgesellschaft Chancen und Grenzen von Erbbaurecht und Koproduktion.

Gastgeber und Immobilienentwickler Andreas Epple betonte dabei, dass bei langfristiger Betrachtung im Geld verdienen und einer Gemeinwohlorientierung kein Widerspruch liege. „Vielfalt und Lebendigkeit von morgen bevorzugt mit Erbbau-Lösungen heute zu denken und zu bauen, ist die Herausforderung für gemeinnützige Stadtentwicklung”. Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß, Dezernent für Konversion und Finanzen schränkte Erbbaurecht als eines von vielen Instrumenten ein, die die Stadt Heidelberg zur Förderung sozialer Zwecke einsetze: „Mein Ziel ist die Ausarbeitung von Entwicklungsoptionen, die sowohl möglichst viele Interessen berücksichtigen als auch zeitlich und finanziell umsetzbar sind.“ Christoph Nestor, Organisationsleiter Mieterverein Heidelberg, mahnte an, bei diesen Prozessen, auch die ökonomischen Möglichkeiten des „Bodenpersonals der Globalisierung“ (Zitat Prof. Dr. Ulf Matthiesen), also Hausmeister, Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Fensterputzer, zu beachten und damit die soziale Nachhaltigkeit mitzudenken. Dr. Thorsten Erl, IBA_KANDIDAT „Learning Village Bergheim“, unterstrich die Mittlerrolle von Stadtplanern, um neben ökonomischer und ökologischer auch die soziokulturelle Rendite nicht aus dem Blick zu verlieren. Rolf Novy-Huy, trias Stiftung, fasste das Ergebnis zusammen: Die Herausforderung gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung sei, das Gleichgewicht zwischen Eigentum und Sozialem zu halten und die „bunten Flecken“ in Schlüsselgebieten gezielt zu fördern.

Mit freundlicher Unterstützung von HeidelbergCement.