IBA_LOCAL 2016 N°3 – Unternehmerisches Engagement in der Stadt

Dritte und letzte Veranstaltung der Reihe in diesem Jahr widmete sich dem Engagement für Baukultur

Der dritte Termin der Reihe fand am 8. Dezember 2016 in den Räumen der Eternit Akademie des Baustoffherstellers Eternit GmbH in Heidelberg-Rohrbach statt. Eternit sieht sich dem ganzheitlichen Architekturgedanken verpflichtet – sowohl innerhalb der eigenen Firmenarchitektur als „Corporate Architecture“ wie auch durch die Förderung von Baukultur und dem Architekturnachwuchs. Welchen Nutzen hat dies für Unternehmen, welchen Nutzen für die Stadt? Wie können Baukultur und Stadtentwicklung zusammengedacht werden? Und welche Visionen gibt es dabei für Heidelberg?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, zu der mehr als 30 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Architektur und Bürgerschaft den Weg nach Rohrbach fanden. Es begrüßten neben der IBA Rolf Haberlah, Marketing- und Vertriebsdirektor Fassade Deutschland als Hausherr,
sowie Jürgen Odszuck, Erster Bürgermeister und Dezernent für das Dezernat „Bauen und Verkehr“ der Stadt Heidelberg. Danach folgten ein Impulsvortrag, der Bericht der IBA, eine Podiumsdiskus¬sion und ein abschließender Empfang.

Warum ein prozessuales Verständnis von Baukultur wichtig sei, legte Engelbert Kortmann, Unternehmer sowie Mitglied im Förderverein und im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, in seinem Impulsvortrag dar. Unter dem Titel „Warum sollte sich die Wirtschaft für Baukultur interessieren?“ hielt er ein Plädoyer für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen allen Baubeteiligten. Bereits ein Prozess der besseren Verständigung untereinander fern der Einzelinteressen müsse Ziel der beteiligten Akteure aus Stadtplanung, Architektur, des Ingenieur¬wesens, der Bau- und Immobilien-wirtschaft, der Bauzulieferindustrie oder der Baufinanzierungs¬institute sein. Nur so könne aus einer Idee auch eine neue Art des Bauens entstehen, die dem schlechten Image der Baubranche entgegenstehe und für eine neue, gemeinsame Identität sorge.

Ob der Fülle an IBAs, die derzeit zeitlich parallel stattfinden, stellte Prof. Michael Braum, geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, die Frage, ob Internationale Bauausstellungen tatsächlich ein Garant für Baukultur sein könnten. Baukultur zeige sich dabei in vielen Dimensionen: in sozialer, ökologischer, ökonomischer, emotionaler und ästhetischer Hinsicht. Um Baukultur zu schaffen sei daher ein gesellschaftlicher Prozess notwendig, der auf einer breiten Verständigung über qualitative Werte und Ziele beruhe, wann eine Stadt als lebenswert empfunden werde. Hierfür ständen Internationale Bauausstellungen, hierfür stehe die IBA Heidelberg, die dafür aber den Rückhalt der Stadtgesellschaft und insbesondere der Wirtschaft und Politik, benötige. „Baukultur ist ein Schlüssel, um sowohl gesellschaftlichen wie auch ökonomischen Mehrwert zu schaffen. IBA-Bauten haben zudem einen enormen Marketing-Wert für die Region“, so sein Aufruf zur Unterstützung der IBA Heidelberg und ihrer Pläne bis 2022.

Carl Zillich, Kuratorischer Leiter der IBA Heidelberg, schloss an diese Thesen an und moderierte ein Podiumsgespräch mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft im Anschluss. Als Vertreterin der gegenwärtigen Eternit Architektur wies Astrid Bornheim, Architektin aus Berlin, auf die lange Tradition hin, die Eternit mit Baukultur verbinde. Eternit habe es als innovativer Auftraggeber ermöglicht, z.B. mit der Eternit Akademie neue Wege des Bauens umzusetzen und aus einem kostengünstig recycelten Messestand in kürzester Umbauzeit einen sinnstiftenden Ort für den bauwirtschaftlichen Nachwuchs zu schaffen. „Für mich war es eine spannende Entdeckungsreise, mit der Modernisierung des Eternit Headquarters, die Architektur von Ernst Neufert weiterzuentwickeln und mit dem Bau der Eternit Akademie einen weiteren Baustein hinzufügen.“ Jakob Köllhofer, Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts (DAI) Heidelberg wies als Vertreter des IBA_KANDIDATEN „Forum Adenauerplatz“ auf die Notwendigkeit von innovativen Foren des Wissensaustauschs hin, um der Atomisierung der Gesellschaft entgegenzutreten und „Glücksmomente der Erkenntnis“ zu teilen. Die Realisierung bedeute jedoch eine gemeinsame Kraftanstrengung: „Wahrzeichen müssen auf allen relevanten gesellschaftlichen Pfeilern stehen.“ Nur so könne gewährleistet werden, dass das DAI seine Türen öffnen und in direkter Nachbarschaft ein neuer, experimenteller Ort der Debatte und Diskurses mit hoher baukultureller Qualität entstehen könne. Große Sympathien für ein konstruktives Miteinander im Planen und Bauen äußerte der Erste Bürgermeister der Stadt Heidelberg Jürgen Odszuck, der sich mit langer beruflicher Erfahrung in verschiedenen Positionen des Planens und Bauens als ein solcher Brückenbauer zwischen den Akteuren sehe. „Es geht in erste Linie um das Wohl und die Zukunft der Stadt. Sachpolitik steht deshalb für mich im Vordergrund über alle politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg.“ Engelbert Kortmann betonte zudem, dass eine hohe Identifizierung der Nutzer der Gebäude nur durch ganzheitliche Prozesse entstehen könne und seelenlose Bauten verhinderten. Der Förderverein der Bundesstiftung Baukultur zeige mit seiner Vielzahl aus Mitgliedern aus Wirtschaft und Kammern, dass über dieses Instrument baukulturelle Werte vermittelt werden könnten.

Die Diskussion machte deutlich, welche große Bedeutung das Arbeiten an Baukultur in allen Phasen des Planens und Bauens auch für Heidelberg hat. Eine IBA kann hierbei als Ideengeber und Moderator der Prozesse fungieren, damit aus Ideen baukulturelle Ereignisse entstehen, die von allen Akteuren getragen und über die Region hinaus als modellhaft wahrgenommen werden.

Hintergrund der Reihe: 2016 fokussiert die IBA Heidelberg in der Reihe IBA_LOCAL den Blick auf Unternehmen, die mit ihrem Engagement in der Stadtentwicklung und Bildung aktiv sind, und stellt neue Corporate Social *Responsibility*-Instrumente für diesem Bereich vor. Internationale Bauausstellungen sind heute mehr denn je auf gute Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Bauherren und gemeinschaftliche Lösungen angewiesen – so auch in Heidelberg.

Mit freundlicher Unterstützung von HeidelbergCement.