Was brauchen Universitätsstädte in der Zukunft?

IBA_SUMMIT N°2 – Ein Plädoyer für mehr gemeinsame Visionen in der Planung von Stadt und Universitäten

Vor welchen Herausforderungen stehen „Knowledge Pearls“ heute? Wie lassen sich stadträumliche und architektonische Qualitäten mit der wissenschaftlichen Exzellenz in Einklang bringen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweiten IBA_SUMMIT, der am 19. März 2016 im Studio der Villa Bosch in Heidelberg stattfand. Zu dem Spitzentreffen kamen rund 40 Teilnehmer unterschiedlicher Fachrichtungen und Nationalitäten – Bürgermeister, Universitätsrektorinnen, Städteplaner und Wirtschaftsvertreterinnen aus internationalen Universitätsstädten.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner freute sich über den intensiven und offenen Austausch mit seinen Kollegen aus Cambridge, Lund, Leuven oder Kumamoto. Einen Blick hinter die Kulissen der Stadt- und Campusplanung bot unter anderem Dennis Frenchman, Leiter des Stadtplanungsdepartments am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge (USA). Das MIT führt seit Jahren die Listen der weltweiten Universitätsrankings mit an. Das innovative Klima am MIT kommt besonders durch die starke Öffnung des Campus zur Stadt zustande: „Heute ist ein Universitätscampus längst kein isoliertes Areal innerhalb einer Stadtstruktur mehr. Die einst starren Grenzen von Campus und Stadt lösen sich zunehmend auf, denn beide Parteien verstehen langsam, wie stark sie voneinander profitieren können,“ so Frenchman.

Diesen Eindruck unterstrich auch Prof. Dr. Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg: „Wir können Stadt und Universität nicht getrennt voneinander denken – beide zusammen machen Heidelberg zu einem lebendigen und inspirierenden Ort. Wir unterstützen die Internationale Bauausstellung darin, eine gemeinsame Vision von Stadt, Universität und Bürgern für Heidelberg zu entwickeln.“

Auch Dr. Eckart Würzner betonte: „Für Heidelberg ist es eine große Chance, dass wir hier alle gemeinsam eine IBA initiiert haben. Bevor sie im Jahr 2022 endet, wollen wir daran arbeiten, einen gemeinsamen Masterplan aufzusetzen: Die Stadt, die Universität, die vielen verschiedenen Bildungseinrichtungen in Heidelberg – mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort.“

Die Herausforderungen, mit denen Heidelberg sich dabei konfrontiert, kennt Willem van Winden, Professor an der Amsterdam University of Applied Science gut: „Dass Städte und ihre Universitäten eine gemeinsame, städtebauliche Vision entwickeln, ist oft gar nicht so einfach, da sich zwei gleichermaßen komplexe, jedoch sehr unterschiedlich arbeitende Systeme gegenüberstehen“, weiß Winden. Doch wie können diese beiden es nun schaffen, erfolgreich zusammenzuarbeiten? „Das funktioniert am besten durch persönliche Beziehungen – Vertreter von Stadt und Uni müssen sich gut kennen und immer wieder Anlässe und Foren zum Austausch schaffen: Runde Tische, Arbeitsgruppen, informelle Treffen. Der Schlüssel zu einer gemeinsamen, städteplanerischen Vision ist der stete Austausch auf allen Ebenen – von der Führungsebene bis zur Arbeitsebene.“

Der Bund war beim zweiten IBA_SUMMIT durch Gabriele Kautz, Referatsleiterin für Baukultur vom Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vertreten. Sie betonte das Interesse der Bundesregierung an den nun angestoßenen Entwicklungen: „Bei dem Treffen wurden Diskussionen auf einem hohen akademischen Level geführt. Die große Herausforderung liegt jetzt darin, das Gesprochene aktiv einzubinden – in die nächsten Schritte der IBA, in ihre konkreten Projekte hier vor Ort. Die Erkenntnisse daraus sind wichtig für Heidelberg ebenso wie für den bundesweiten Baukulturdiskurs.“

Für Michael Braum, Geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, waren Mut und Vertrauen die wichtigen Stichworte des Tages, beides sei unerlässlich für die Vereinbarung einer gemeinsamen Position: „Alle eingeladenen Knowledge Pearls stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Viele sind sehr erfolgreich. Der Erfolg ist die Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum. Dazu gehört preiswerter und qualitativ anspruchsvoller Wohnraum, ebenso wie zeitgemäße Mobilitätskonzepte und vieles mehr. Die Herausforderungen sind nur gemeinsam zu lösen. Dazu brauchen wir gegenseitiges Vertrauen, dass sich Stadt und Universität als Teil eines gemeinsamen Projektes, der nachhaltigen Entwicklung der Knowledge Pearl, verstehen.“

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