1. Preis: Schnittstelle | Deborah Kunz

Bewertung der Jury:

Der Entwurf „Schnittstelle“ schafft, indem er das Gelände neu gliedert, eine Plattform und einen öffentlichen Verbindungsraum für die bestehenden Wissensorte in Heidelberg. Im Südosten wird das Areal um den Baustein „Produktionswerk“ ergänzt, der sich in seinen Ausmaßen dem Bestand anpasst und das Ensemble vervollständigt. Weitere Gebäudekubaturen fassen den Raum ohne die Durchwegung des Areals einzuschränken. Im Gegenteil werden durch die Ergänzungen attraktive Freiräume ausgebildet und die Zugänglichkeit verbessert. Für das Hauptgebäude „Produktionswerk“ wird eine neue hochflexible Typologie entwickelt. Innerhalb einer nutzungsoffenen Grundstruktur aus Stahlbeton mit Erschließungsflächen und Versorgungsleitungen lassen sich flexibel Nutzungen in verschiedenen Stadien des Ausbaus einhängen, verändern, zusammenschalten. In den entstehenden Laubengängen und Vertikalerschließungen findet der Austausch und die Interaktion zwischen den Nutzern statt.
Mit einem Kultur- und Freizeitzentrum, einem Veranstaltungshaus und dem Quartierhaus mit öffentlichen wie privaten Gärten soll das Areal für weitere Nutzergruppen attraktiv gestaltet werden.
Die Jury würdigt die intensive Auseinandersetzung mit dem Begriff Kreativquartier. Der Ansatz, das modulare hochflexible Gebäude „Produktionswerk“ in Phasen zu entwickeln, überzeugt: Dem Kreativquartier wird ein langsames Wachstum zugestanden. Zunächst wird den „Early Adopters“ in niedrigem Ausbaustandard Raum angeboten, der sich nach und nach verdichten kann und hochwertiger wird. Der low-budget-Ansatz mit offenem Mauerwerk und Rolltoren macht ein Gebäude in ständigem Wandel und Umbau realistisch. Gleichzeitig schlägt das Konzept weitere Bausteine auf dem Areal vor. Hier bleibt die Ausarbeitung vage. Jedoch die Intension, qualitative Freibereiche anzubieten und das Areal zum Kreuzung Mittermaier Straße/Bergheimer Straße mit einer großen Geste (Auskragung, öffentlicher Platz) zu öffnen, überzeugt.
Weitere Aussagen zur Materialität der Fassaden wären wünschenswert.