2. Preis: Manufaktur | Aaron Schirrmann

Bewertung der Jury:

Das Projekt „Manufaktur“ findet auf die beschriebenen Herausforderungen eine empathische wie angemessene Antwort. Es lässt den Bestand weitgehend unberührt und findet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einem ergänzenden Neubau und einer dazu gehörenden Freifläche. Die öffentliche Freifläche ist an einer Arealecke situiert, was den Unterschied zu den benachbarten Hofrandbebauungen mit ihren geschlossen Straßenfluchten verdeutlicht und insofern auch eine Einladung ist, das Areal zu betreten. Zudem kann diese Freifläche flexibel temporären, öffentlichen Nutzungen und Veranstaltungen dienen.
Die vorgeschlagene „Manufaktur“ besteht aus einer industriebauähnlichen, seriellen Tragkonstruktion. Über dem großflächigen, offenen Erdgeschoss erheben sich lineare Baukörper, die kleinflächige Unterteilungen ermöglichen. Diese obergeschossigen Zeilen bilden eine Abfolge mit dazwischenliegenden Terrassen, so dass alle Räume gut belichtet sind. Das weitgehend nutzungsneutrale Raumgefüge, lässt sich – ähnlich alter Fabriken – vielfältig nutzen und hat darüber hinaus einen Mehrwert, da die transparente Hülle den öffentlichen Charakter der „Manufaktur“ besser zum Ausdruck bringt als murale Fabriken. Zum anderen ermöglicht die mit Zwischenräumen und Terrassen gegliederte Dachlandschaft, diese auch öffentlich zu benützen.
Zusammen mit dem vorgesehenen Platz an der Arealecke und der plastisch aufgelockerten Weg-Achse (die durch das ganze Areal führt) entsteht insgesamt ein vitaler Ort, der das Areal zusätzlich urbanisiert. Nicht optimiert ist das Stützenraster der Konstruktion, die etwa mit einem Holzsystembau optimiert werden könnte (Spannweiten, Traglasten etc.). Der kontextuelle Gedanke, die Fassaden auf jeder Seite anders zu gestalten, ist zwar nachvollziehbar, in der vorliegenden Form aber zu plakativ beziehungsweise übermotiviert. Und die Straßenfassade gegenüber den alten Hofrandbebauungen verkörpert zudem eine Allerwelt-Architektur, der gerade das fehlt, was städtebauliches Einfügen verspricht: eine kontextuelle Referenz.