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Heidelberg, 29. April 2016 Heidelberg | Pressemitteilung der IBA Heidelberg

Gemeinderat stimmt Konzept für »Planungsphase Null« der IBA Heidelberg zu

Internationale Experten arbeiten an der »Wissensstadt von Morgen«

Die größte Heidelberger Konversionsfläche soll zu einem Modell für ein Stadtquartier der Zukunft werden. Die IBA Heidleberg hat hierfür ein Konzept für eine »Planungsphase Null« erarbeitet, dem der Gemeinderat in seiner Sitzung am 28. April mit großer Mehrheit zugestimmt hat. Bereits am 31. Mai wird der international renommierte Städtebauexperte Kees Christiaanse zu einem Bürgerforum nach Heidelberg kommen. Ab Juni werden sich weitere Architektur- und Städtebauexperten zu ersten Auftaktworkshops treffen.

»Die Internationale Bauausstellung hat die Messlatte sehr hoch gelegt – genau diesen Mut brauchen wir für diese besondere Fläche. Patrick Henry Village stellt durch seine Größe und seine Satellitenlage eine besondere Herausforderung dar. Nun wollen wir gemeinsam daran arbeiten, dass wir in ein paar Jahren von einem Glücksfall sprechen können«, sagt Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner.

»Die »Planungsphase Null« ist der moderierte Dialog zwischen verschiedenen Disziplinen – hier werden Bürgerschaft und Wirtschaftsvertreter, Architekten und Stadtplaner, Verwaltung, Politik und viele andere an der Planung Beteiligte an einen Tisch gebracht, um ihre Ideen, Vorstellungen und Anforderungen an ihr Gebiet sichtbar zu machen. Gute Planung zielt dabei nicht nur auf eine »schönere« Gestaltung von Gebäuden und Freiräumen, sondern auch auf eine Abstimmung von Raumstrukturen auf die verschiedenen Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer«, erklärt IBA Geschäftsführer Prof. Michael Braum.

Ziel der »Planungsphase Null« der IBA ist es, für das PHV bis Anfang 2017 vier thematische Szenarien im Sinne einer »Wissensstadt von Morgen« zu entwickeln. Die Themen sind: Wissenschaft und Wirtschaft, Vernetzung und Infrastruktur, Bildung sowie urbane Austauschprozesse. Zugleich sammelt und strukturiert die IBA die wichtigsten Informationen und Rahmenbedingungen für die zukünftige Planung auf dem PHV. Flankiert wird dieser Prozess von vier öffentlichen Foren, bei denen die Bürgerschaft die Gelegenheit hat, sich einzubringen und grundlegende Fragen zu diskutieren. Im Ergebnis soll dies die Entscheidungsfähigkeit von Stadt und Stadtgesellschaft für die Zukunft dieser herausfordernden Fläche fördern.

Was sieht die »Planungsphase Null« vor?

In der »Planungsphase Null« werden vier international besetzte Stadtplanungsteams in Kooperation mit möglichen Nutzergruppen und lokalen Kontaktarchitekten unterschiedliche Szenarien entwerfen. Kernfrage ist, was in einer »Wissensstadt von Morgen« alles benötigt wird. »Diese Experten spüren Trends auf und visualisieren diese, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten«, erklärt Prof. Braum.

Team Eins – Wissenschaft + Wirtschaft
MVRDV | Winy Maas | Niederlande

Besonders für Heidelberg ist eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft unerlässlich – welche Stadträume und Gebäude befördern dies im PHV? Mit dieser Frage beschäftigen sich Winy Maas und Natalie de Vries von MVRDV, eines der weltweit führenden Architekturbüros.

Team Zwei – Vernetzungen
Carlo Ratti Associati mit SENSEable City Lab, MIT | USA | Italien

Die real gebaute Stadt wird immer digitaler: Welche Auswirkungen hat digitales Planen beziehungsweise digitales Managen von Energie, Infrastruktur und Mobilität auf den Stadtraum und seine Bewohner? Und wie sehen Stadträume aus, die diesen neuen, digitalen Anforderungen entsprechen? Mit diesem Themenfeld befasst sich Carlo Ratti für das PHV. Ratti ist Professor am MIT in Boston und Vordenker in der Diskussion um »Smart City«.

Team Drei – Bildung
ASTOC | Markus Neppl | Deutschland

Hochqualitative Schulen und Kitas oder Orte der kulturellen Bildung – wie baut man eine Stadt, die das lebenslange Lernen fördert? Das Team rund um Markus Neppl greift für die Beantwortung dieser Frage für das PHV auf einen breiten Erfahrungsschatz in Sachen Städtebau und Bildungsarchitektur zurück.

Team Vier – Stoffkreisläufe
Ramboll Atelier Dreiseitl mit Bohn & Viljoen | Deutschland | Singapur | Großbritannien

Stadt kann nicht ohne Landschaft gedacht werden: Ernährung, Wasserkreisläufe, Luftreinigung, Recycling von Stoffen – was kann das PHV als Stadtteil in diesen Bereichen in Zukunft leisten? Damit beschäftigen sich die Büros Ramboll Atelier Dreiseitl und Bohn & Viljoen, ausgewiesene Experten für diese Fragestellungen.

Team Fünf – Zusammenführung der Szenarien der Teams 
KCAP | Kees Christiaanse | Niederlande | Schweiz | Singapur

Die Zusammenführung der Szenarien verantwortet das Büro KCAP, das die vier Themen mit den Rahmenbedingungen und den Anregungen der Stadtgesellschaft für das PHV kombinieren und in eine mögliche, zeitliche Abfolge bringt. Kees Christiaanse, Leiter von KCAP, ist einer der weltweit führenden Stadtplaner, der durch eine Vielzahl internationaler Großprojekte über einen fundierten Überblick im Städtebau verfügt.

Mögliche Kooperation mit Software-Hersteller RIB

Der Gemeinderat der Stadt Heidelberg wurde außerdem über das Interesse der RIB Software AG informiert, sich bei der Entwicklung von PHV zu engagieren. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, gemeinsam mit der IBA Eckpunkte und Bedingungen für eine mögliche Rahmenvereinbarung auszuarbeiten.

RIB mit Hauptsitz in Stuttgart ist Weltmarktführer im Bereich Softwareentwicklung im Bauwesen. Das Unternehmen hat ein großes Interesse daran, auf PHV einen Modellstadtteil mit zu entwickeln und die Vorplanungsstufe zu begleiten. RIB möchte durch ihr Engagement in PHV aufzeigen, wie ihre Software bei der Flächenentwicklung eines ganzen Stadtteils eingesetzt und genutzt werden kann. Hauptbeitrag in der Planungsphase könnte die Visualisierung eines mehrdimensionalen Stadtteilmodells sein. Auf diese Weise soll der im Rahmen des IBA-Prozesses entwickelte dynamische Masterplan in ein virtuelles Stadtmodell übersetzt werden.

»Wir sehen die Chance, dass wir durch so eine innovative Veranschaulichung von Planungsprozessen neue Zielgruppen für die Bürgerbeteiligung gewinnen können – insbesondere bei den jüngeren Heidelbergerinnen und Heidelbergern«, sagt Dr. Würzner. Auch verspreche ein entsprechender Softwareeinsatz eine Optimierung von Planungs- und Bauprozessen – was wiederum die Grundlage für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum unter Beibehaltung einer hohen städtebaulichen Qualität sein könnte.