»Bodies and Bubbles«
Vortrag von Prof. Dr. Georg Vrachliotis

Ort

Heidelberger Kunstverein
Hauptstrasse 97
69117 Heidelberg

Datum

24. September 2020, 19.00 - 21.00 Uhr

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Die Bubbles von Coop Himmelblau und Haus Rucker Co oder die Stadtmaschinen von Archigram: Die schillernden Bilderwelten der 1960er Jahre symbolisierten Neugier, Freiheit und Emanzipation. Um die gedankliche Enge der 1950er Jahre aufzubrechen und die Angst des Kalten Krieges zu überwinden, war eine beträchtliche Portion an Technikoptimismus und Zukunftsglaube notwendig. Es ging um die Neugestaltung von Öffentlichkeit und Gesellschaft und damit auch um die Neuerfindung der Architektur selbst. Lange galt daher die Epoche der 1960er Jahre für die Architektur als historische Hauptreferenz. Doch die einst so charmant wirkenden Radikalitätsattitüden, die medientechnische Expansion der Sinne und des Körpers, ja selbst die Sprache der Manifeste — sie wirken verstaubt und gemessen an ihren eigenen Ansprüchen auch seltsam ungefährlich. So sehr wir die Erzählungen und Mythen dieser Epoche auch lieben, wir müssen uns langsam eingestehen, dass sie in der Frage, wie wir uns aus den Fangnetzen des Neoliberalismus und den Korrelationswelten von Big Data mitsamt den informationstechnischen Echokammern der sozialen Medien befreien können – wie wir uns also heute überhaupt noch als Gemeinschaft denken können – nicht mehr richtig weiterhelfen. Es scheint, als hätten die 1960er Jahre für die Architektur ihre vertraute Orientierungsfunktion verloren. Doch kann es nicht darum gehen, diese einst so gefeierten Epoche vorschnell zu den Akten zu legen. Vielmehr stehen ihre historische und theoretische Neuinterpretation und damit auch ihre intellektuelle Wiederentdeckung zur Debatte.

Impulsvortrag mit anschließendem Gespräch
eine Kooperation des Heidelberger Kunstvereins und der IBA Heidelberg
24. September 2020 | 19 Uhr | Heidelberger Kunstverein
Der Eintritt ist frei

 

Georg Vrachliotis ist Professor für Architekturtheorie und Leiter der Architektursammlung (saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau) am Karlsruher Institut für Technologie. Zuvor lehrte und forschte er an der ETH Zürich und war Gastdozent für Architekturtheorie an der TU Wien. Georg Vrachliotis studierte Architektur an der Universität der Künste Berlin, ist langjähriges Mitglied des Beirats der Zeitschrift ARCH+ und externer Prüfer an der Bartlett School of Architecture, UCL London. Zuletzt kuratierte er eine Reihe von internationalen Ausstellungen zu Frei Otto (»Denken in Modellen«), u.a. am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, auf der Architekturbiennale 2018 in Venedig, dem Saudi Art Council in Jeddah (2020) und an der School of Architecture der Yale University (2020).

 

Abbildung: Ian Kiaer, ›endnote (ping)‹, 2020, Ausstellungsansicht Heidelberger  Kunstverein, 2020 © Heidelberger  Kunstverein / Wolfgang Günzel